O.T.

 

Deine Art zu reden habe ich jahrelang als ein wohlüberlegen und reflektieren eines jedes Wortes interpretiert. In einer Zeit die vergangen scheint war ich vielleicht deiner besser gestimmt als nun. Jetzt empfinde ich deine langen Pausen eher als ein unnötiges Warten darauf, dass du von einem imaginären Souffleur die Worte die du zu sagen hast diktiert bekommst um sie dann endlich mit einem Schwall deines warmen Atems herauszustoßen. Diese mit Bitterkeit unterlegten Irrtümer deines Zweifels und die Verletzung die mein Handeln in eigener Sache dir anzutun scheint.

Aber es gibt keine Wahl. Entscheidungen die getroffen werden entstehen in einer langen Kette von Ereignissen durch welche man schon so geprägt ist, dass die Wahl nur ein Schein ist. Meine „Wahl“ entstand in der Mitte irgendwo bei einem Abraten deinerseits in einer Sache die dich eigentlich nur wenig tangieren sollte (es aber bedauernswerter Weise doch sehr tat). Das war okay, ich kannte ja noch nicht die zukünftigen Ereignisse. Ich versuchte also dir eine Sicherheit zu verschaffen die nur den Moment halten konnte. Eine solche Sicherheit verfliegt aber auch schnell wieder wenn die Tage dahinziehen. Und so passierte es. Meine Sicherheitsworte verstarben am geküssten Mund und ich konnte nichts dagegen tun. Ich hatte keine Wahl. Ich musste es tun. Musste dich vielleicht enttäuschen. Vielleicht, weil Menschen nur enttäuschend sind. Das Leben nur eine Vielzahl aneinandergereihter Enttäuschungen. Weil es keine Wahl gibt nicht zu enttäuschen. Weil eben die sogenannte Wahl mit dem wirklichen Leben eine starke Dissonanz bilden.

Ich weiß du willst nichts wissen, nichts von mir hören darüber wie der Weg mich zu deiner Enttäuschung geführt hat. Aber ich für meinen Teil muss es in die Tasten hauen, denn die Geschichte ist es auch bis hierhin wert in visuellen Worten erfasst zu werden. Vielleicht brauchst du also deine Genugtuung für dich im Recht zu verharren und hörst auf zu lesen. Aber wenn du vielleicht noch einmal überdenkst wie viele Seiten eine einzige Geschichte haben kann und dir in Erinnerung rufst wie wir waren, vor gar nicht allzu langer Zeit, dann lies weiter.

 

Es find alles unschuldig an. Drogen nehmen, durch die Straßen dieser kleinen Märchenstadt ziehen, Bier trinken, auf Brückengeländer klettern und herunterfallen. Lachen über sich selbst und Situationen. Über Menschen an sich nicht allzu ernst nehmen und schon gar nicht diese Welt. Das erste selbstgestochene Tattoo und ein Plan der Umgesetzt wurde. Ein Mädchen auf einer Schaukel in Haut gebannt von einem wunderhübschen, introvertierten Scheißkerl. Mehr Drogen. Das kleine Männchen mit dem Hammer. Schlaf. Tiefer Schlaf. Der nächste Morgen. Langsames Annähern hingezogen über Stunden. Immer näher und immer wieder weg dösen in dieser wunderbaren Nähe und Körperwärme. Aufwachen, annähern. Dösen, aufwachen noch näher rücken. Bis wir so eng lagen, dass kein Zentimeter mehr zwischen uns passte. Nur die Gesichter noch leicht auseinander. Aber kein Grund mehr dazu. Somit ein Kuss. Ein weiterer. Dann tausende. Und, und, und.

Was dir beim Lesen vielleicht einen Kloß im Hals verursacht, einen bitteren Geschmack auf der Zunge bringt, bereitet mir die schönsten Erinnerungen. Wie eine warme Decke legen sie sich über meine Gedanken und zelebrieren jede Sekunde dieses exzessiven Glücks von damals.

 

Und dies ist erst der Anfang einer Geschichte die irgendwie eine scheiß Liebesgeschichte ist. So wie es sie bei uns auch einmal war. Keine Hollywoodliebeskacke sondern „Dolls“ von Takeshi Kitano oder irgend ein anderer, irgendwie tragischer und schmerzhafter und doch so wunderbarer visueller Hochgenuss.

 

 

 

 

 

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